Unterwerfung

Bettys Hunde ABC

Artgerechtes, Bedürfnisorientiertes Coaching

Unterwerfung und submissives Verhalten

Eigentlich müßte ich ganz von vorne bei "Bienchen und Blümchen" anfangen.

 

Man war lange Zeit der Meinung, eine Unterwerfung wird immer mit körperlicher Gewalt und mit aggressivem Verhalten eingefordert.

Dies beruhte auf Beobachtungen aus den 60er und 70er Jahren von Gehege-Wölfen, deren Verhalten man auf unserer Haushunde zu übertragen versuchte. Heute weiß man, daß sich ein Wolfsrudel aus Elterntieren und deren Nachkommen zusammensetzt und keineswegs von Gewalt und dem Recht des Stärkeren beherrscht wird. Die damaligen Beobachtungen führten zu der zum Teil noch heute präsenten Dominanztheorie. Allerdings handelte es sich bei den beobachteten Gehegewölfen NICHT um miteinander verwandte Tiere, die einen natürlichen Sozialverbund bildeten. Es handelte sich um wild zusammengewürfelte Tiere, die sich tatsächlich teils heftig bekämpften. In freier Wildbahn wäre der Unterlegene einfach abgewandert. Dies konnte er nicht und somit gab es blutige Kämpfe bis zum Tod einzelner Tiere. Darauf begründete man den zum Teil noch heute publizierten Umgang mit unseren Haushunden. Man müsse die Position des Alphatieres einnehmen und den Hund wenn nötig auch aktiv und körperlich unterwerfen. Der sogenannte Alpha-Wurf hielt Einzug auf den Hundeplätzen und in den Hundeschulen. Das Packen und Schütteln im Nackenfell wurde als natürliche Maßregelung gelehrt. Es hält sich bis heute hartnäckig, obwohl es mehrfach widerlegt wurde. Dieses Verhalten ist typisch für einen Beutegreifer wie den Hund. Es ist eine Tötungsabsicht.

 

Um nun zum eigentlichen Titel dieser Seite zu kommen...(Unterwerfung und submissives Verhalten)...sei kurz noch erwähnt, daß in einem natürlichen Rudel keine hierarchische Struktur herrscht. Die Jungtiere werden von den Eltern großgezogen. Mit Konsequenz und Liebe. Gerade die Welpen lernen sehr schnell, daß submissives (unterwürfiges) Verhalten ihnen salopp gesagt "den Arsch retten kann". Es wird freiwillig gezeigt. Der dominante Part hat es nicht nötig, Gewalt anzuwenden. Dominanz ist immer situationsabhängig. Das hat nichts mit der Stellung im Rudel zu tun. Auch der junge Welpe darf mal dominant sein. Er darf den Althund zum Spielen auffordern, er darf ihm einen Stock klauen oder gar den fleischigen Knochen abschwatzen. Die Alttiere glänzen durch Souveränität, Sicherheit und Lebenserfahrung. Die Jungtiere vertrauen darauf, daß diese die richtigen Entscheidungen treffen.

 

Und auch unsere heutigen Haushunde brauchen (wenn sie gut sozialisiert sind) keine Gewalt gegenüber Artgenossen. Nehmen wir folgende Situation (die Bilder darf ich mit freundlicher Genehmigung von Lissy Golle verwenden, danke dafür):

 

 

Der liegende Hund hat dem stehenden in einer spielerischen Situation ein Spielzeug abgenommen (man sieht es hinter ihm im Gras liegen).

Der stehende Hund möchte es nun wieder haben...

Zunächst versucht er es mit einer Spielaufforderung...

Als das nicht funktioniert, baut er intensiven Blickkontakt auf. Der Kopf ist hoch gerichtet, die Ohren nach vorne gestellt, die Rute erhoben. Er beschwichtigt gleichzeitig, indem er sich hinlegt (Er signalisiert so, daß er nichts Böses im Sinn hat). Er fordert körpersprachlich eine Unterwerfung ein, welcher der andere Hund auch nachkommt. Hier sieht man, wie er sich bereits seitlich wegduckt...

Der andere dreht sich nun komplett auf den Rücken, unterwirft sich dem in dieser Situation dominanten Hund, der seinerseits sein Spielzeug ganz ohne Gewalt und Körpereinsatz zurückerobert hat. ;-)

 

Wer weiß...vielleicht hat sich im weiteren Spielverlauf der andere auf den Rücken gelegt und ihm das Spielzeug seinerseits wieder überlassen.